Freitag, 2. Juli 2021

Vergeben

der Welt verzeihen
dass sie nicht so ist
wie ich sie gerne hätte
 
mir selbst verzeihen
dass ich nicht immer alles schaffe
was ich mir vorgenommen habe
 
der Welt erlauben
mir das zu schenken
woran ich gezweifelt habe
 
mir selbst erlauben
nicht starr an Regeln festzuhalten
sondern meinen eigenen Impulsen zu folgen
 
die Welt annehmen
mit allem was gerade ist
 
mich selbst annehmen
mit allem was gerade ist
 
das ist es
was mich
mit mir selbst
verbindet

Dienstag, 29. Juni 2021

Ausatmen

Ausatmen
Einatmen

Ausatmen
Einatmen

Ausatmen

wie eine Welle
vor und zurück

sich zurückziehen
mit dem Meer verbinden
Kraft sammeln

sich dann keck nach draußen wagen
sich zeigen
über sich hinauswachsen

sich verströmen
sich auflösen
im großen Ganzen aufgehen

Ausatmen
Einatmen

Ausatmen
Einatmen

Ausatmen

wie eine Welle
vor
und zurück

Samstag, 26. Juni 2021

Endlich wieder

Endlich wieder im Zug
Endlich wieder raus aus Berlin
Endlich wieder was anderes sehen
Endlich wieder Landschaft, die am Fenster vorbei zieht

Endlich wieder zu meinem Vater

Dienstag, 8. Juni 2021

Angst fressen Seele auf *

„HAHA, ich kriege dich“, rief die Angst und rannte der Seele hinterher. „Und wenn ich dich habe, dann fresse ich dich auf!“

Die Seele erschrak. Sie spürte, wie sich ihr Körper zusammenzog, wie die Angst von ihr Besitz nahm, ohne sie überhaupt schon ganz erreicht zu haben. Sie lief schneller. Suchte nach dunklen Ecken, in denen sie sich verstecken konnte, aber keine Spalte, keine Höhle schien ihr sicher zu sein.

Mittwoch, 5. Mai 2021

Der Gesang der Corona

Coroonaaa, so schallt es aus dem Wald hinaus. Corona? Frage ich mich, wer ruft denn das? Und warum? Oder war es gar nicht Corona, sondern Corinna? Ich setze mich auf einen Baumstumpf und lausche. Aber ich höre nichts mehr, nur das Rauschen des Windes und ab und an eine Krähe, die auf einem Baum sitzt und krächzt, als wollte sie mir etwas mitteilen.

Freitag, 19. Februar 2021

Frühlingsaufbruch

 

abschaben

aufplatzen

den Körper spüren

und das Leben

 

altes loslassen

was nicht leben kann

sich öffnen für Überraschungen

und das Leben

 

alte Hüllen zerfetzen

soweit es geht

den Rest erledigt das Wachstum von innen

und das Leben.

Donnerstag, 21. Januar 2021

Morgenhimmel über Berlin

Ich bin dankbar
für einen blauen Himmel
ohne die Rauchschwaden brennender Häuser

Ich bin dankbar
für einen freien Blick nach oben
wo nur Vögel fliegen
und keine todbringende Flugzeuge

Ich bin dankbar
für die frische Stadtluft
immer wieder gereinigt von all den Bäumen
überall in der Stadt

Ich bin dankbar
für die Morgenröte
die mir einen weiteren Tag ankündigt
ohne Hunger und ohne Not

Ich bin dankbar
für die Freiheit
überall hingehen zu können
ohne mich verdächtig zu machen

Ich bin dankbar
in einem freien Land zu leben.